In der Volkswirtschaftslehre werden Kondratjew-Zyklen (auch Superzyklen, große Wellen, lange Wellen, K-Wellen oder der lange Wirtschaftszyklus genannt) als hypothetische zyklusartige Phänomene in der modernen Weltwirtschaft beschrieben. Die Theorie legt nahe, dass kapitalistische Volkswirtschaften langfristige Auf- und Abschwungzyklen erleben, die jeweils 40 bis 60 Jahre dauern.
Das Phänomen ist eng mit dem Technologielebenszyklus verbunden. Die Zyklen bestehen aus abwechselnden Phasen hohen sektoralen Wachstums und Phasen relativ langsamen Wachstums.
Ursprung der Theorie
Das Konzept wurde erstmals durch den sowjetischen Ökonomen Nikolai Kondratjew (auch Kondratieff oder Kondratyev geschrieben) in seinem Buch „Die langen Wellen der Konjunktur“ (1926) international bekannt gemacht. Er stellte fest, dass die Preise für Agrarprodukte und Kupfer langfristigen Wirtschaftszyklen unterlagen, die seiner Ansicht nach auf technologische Innovationen zurückzuführen waren.
Im Jahr 1939 schlug der Ökonom Joseph Schumpeter vor, die Zyklen ihm zu Ehren „Kondratjew-Wellen“ zu nennen. Schumpeter argumentierte, dass technologische Innovationen diese Wirtschaftszyklen antreiben.
Wie es funktioniert
Kondratiev sammelte fast 150 Jahre Daten zu Rohstoffpreisen von verschiedenen Märkten. Durch die Analyse der Daten identifizierte er ein regelmäßiges wellenartiges Muster mit einer Periode von etwa 50 Jahren.
Er behauptete, dass in seinen Daten zwei vollständige Zyklen beobachtet werden könnten:
· Erste Welle: 1790–1849
· Zweite Welle: 1850–1896
Er glaubte, dass sich die globalen Rohstoffmärkte etwa in der Mitte einer dritten Welle befanden.
Die vier Phasen
Jeder Zyklus ist typischerweise durch vier verschiedene Phasen gekennzeichnet:
1. Expansion/Wohlstand (Frühling/Aufschwung): Eine Phase hohen Wachstums, technologischer Innovation und steigender Preise.
2. Stagnation/Rezession (Sommer/Plateau): Das Wachstum verlangsamt sich, und die Wirtschaft erreicht einen Höhepunkt, bevor sie zu sinken beginnt.
3. Depression/Zusammenbruch (Herbst/Winter/Abschwung): Eine Phase wirtschaftlicher Stagnation, fallender Preise und Rezession.
4. Erholung (Frühling): Die Wirtschaft beginnt sich zu erholen und bereitet den Boden für die nächste Wachstumswelle.
Historische Wellen
Seit dem 18. Jahrhundert haben Ökonomen fünf Kondratjew-Zyklen identifiziert, wobei ein sechster Zyklus vermutlich um 2005 begann:
· Erster Zyklus (1780–1830): Angetrieben durch die Erfindung der Dampfmaschine.
· Zweiter Zyklus (1830–1880): Angetrieben durch das Wachstum der Stahlindustrie und der Eisenbahnen.
· Dritter, Vierter und Fünfter Zyklus (1880–2005): Angetrieben durch nachfolgende technologische Revolutionen.
Kontroversen und Kritik
Es ist wichtig zu beachten, dass die Theorie der langen Wellen von den meisten akademischen Ökonomen nicht akzeptiert wird. Unter den Ökonomen, die sie akzeptieren, herrscht Uneinigkeit sowohl über die Ursache der Wellen als auch über die Anfangs- und Endjahre bestimmter Wellen. Bei den Kritikern besteht der Konsens darin, dass es darum geht, Muster zu erkennen, die möglicherweise nicht existieren (Apophenie).